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Wenn der Kopf aber nun ein Loch hat...
Gunter Böhnke und die Gruppe Steps
Jörg Leistner – Keyboards, Arrangements Thomas Moritz – Kontrabaß Frank-Endrik Moll – Schlagzeug
Wenn der Kopf aber nun ein Loch hat - ja, was dann, liebe Liese? Dann ist der
Sinn los! Der Sinn ist nicht mehr froh, er ist un. Und wenn der Unsinn und Frohsinn miteinander albern, dann wird es ganz, ganz ulkig. Fast wie im Kabarett! Alles nach dem Motto:
“Wie geht es denn der lieben Gattin?” - “Sehr schlecht.” - “Na, das ist doch die Hauptsache!”
LVZ am 21.05.2007: Wortwitz in Reimkultur
„Freut Euch des Lebens!“ Dieser Abend ist wie das abschließende Trinklied und doch, nüchtern betrachtet, eine ernste Sache. Das schöne daran: Die
Zuschauer haben die Wahl. Mit dem Programm „Wenn der Kopf aber nun ein Loch hat“ macht Autor und Kabarettist Gunter Böhnke Nonsens zum Thema –
eine Kunstform, die an der Oberfläche so gut funktionieren kann wie darunter. Das gilt für die Texte wie für die Musik – von Jörg Leistner arrangierte Klassiker-Variationen, so amüsiert wie amüsant gespielt vom Trio Steps: Leistner
am Keyboard, Thomas Moritz am Kontrabass und Frank-Endrik Moll an Drums, singender Säge und vielerlei Quietsch- und Blasinstrumenten. Am Freitag war im ausverkauften Frosch Café bejubelte Premiere.
Eigentlich sind es also zwei Programme. Eines feiert die Freude am Spaß, das andere hinterfragt das aus intellektuellem Hinterhalt. Böhnke gibt sich dem Klang
der Wörter hin, ohne den Sinn aus den Augen zu lassen. Nur manchmal scheint er der eigenen Courage (oder den Erwartungen?) zu misstrauen, dann eilen die
Pointen der Dramaturgie davon, gerät der Schulterschluss zur Polonaise aus Abzählreimen und Texten von Axel Hacke, Robert Gernhardt, Joachim Ringelnatz,
Christian Morgenstern, Heinz Erhardt, Eugen Roth, Arthur Schramm, Kurt Tucholsky, Karl Valentin und „Arno Nym“. So oder so: Das Versprechen „lauter Unsinn ganz leise“ wird eingelöst. Die
Volksfrage „Wenn der Topf aber nun ein Loch hat“ erfährt in der Umdichtung vom rückgratlosen Politiker moderne Entsprechung. Böhnke spielt mit dem Witz
der Irreführung oder dem Vergnügen am gefühlten Reim. Eigene Tasmanien-Erfahrungen leiten über zu Gernhardts „Schnabeltier“, eine
Blitzumfrage zum ganz persönlichen Kinderreichtum führt zu den Abzählreimen. Hier ist das Publikum nicht nur gefragt, sondern Mitspieler, nicht immer jugendfreie Sprüche werden gemeinsam ergänzt.
Zur Belohnung gibt’s Kern-, Stein- und „Bärenobst“, was die Wirkung von Rumfrüchten hat, so dass sich die Gemütlichkeit noch vor der Pause auf bestem
Unterhaltungs-Niveau einschunkelt, musikalisch angestachelt von verrockten, verswingten, verjazzten oder auch rückwärts gespielten Schumann-,
Beethoven- oder Strauß-Stückchen. Spätestens im zweiten Teil wird deutlich, wo der Spaß aufhört und Humor beginnt – im Ernst. „Das Große Lalula“ sagt
nun mal mehr als tausend Witze. Die Freude am Leben nährt sich aus einer fruchtbringenden Wortlese in Reimkultur. Janina Fleischer |