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Carolin Fischer & Bert Callenbach
in
„Meine letzte Nacht als Fräulein...“ – eine musikalische Komödie
„Gediegene schwäbische Gastlichkeit!“ – das erwartet die Gäste in Frl. Fischers Künstlerpension in Leipzig.
Im ständigen Kampf um saubere Handtücher und mit zahlungsunwilligen Gästen hat sich Frl. Fischer in ihrem Leben als Pensionswirtin und alleinstehendes Fräulein eingerichtet. Da
wird mit Herz und Mutterwitz mit dem Pizzaboten geflirtet und mit Politessen gestritten, mit Finnen getrunken und werden die Damen des leichten Gewerbes des Hauses
verwiesen. Immer mit dabei: Dauermieter Herr Callenbach, welcher unserem Fräulein mit Rat und Tat und wenn erforderlich auch gesanglich zur Seite steht.
Bis zu jener Nacht die ihr Leben grundlegend veränderte...
© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 1. April 2005
Aufstand gegen Spätzle
Montags stehen Spätzle auf der Speisekarte. Dienstags und mMittwochs auch. Am Donnerstag Linsen - mit Spätzle ... In der liebevoll witzig-plüschig dekorierten Künstlerpension "Zur schwäbischen Jungfrau" wacht
Fräulein Fischer hinter dem Tresen, an der Rezeption und in der Küche eisern über die Grundsätze gediegener schwäbischer Gastlichkeit.
Doch spätestens seit der Anschaffung einer pensionseigenen Karaoke-Maschine brodelt Widerstand im Inneren der schrulligen Wirtin und entlädt sich spontan in einem Wutausbruch gegen die glibbrigen
Teig-Monster. Eine von vielen witzigen Situationen in der neuen Eigenproduktion des Frosch Theaters "Meine letzte Nacht als Fräulein", die am Donnerstag Premiere hatte.
Nach diversen Musik- und Chansontheater-Programmen riskiert die kleine Bühne erstmals eine musikalische Komödie. Keine Konkurrenz zum Haus Dreilindenstraße etwa: Aus der Karaoke-Maschine
als Soundgeber (technisch-musikalische Einrichtung: Ekkehard Meister) quellen ausschließlich Rock- und Pop-Klassiker für den Livegesang von Carolin Fischer und Bert Callenbach.
Eine schlagfertige Wirtin mit ungeliebtem Schürzchen und ihr grummliger Dauergast im abgeschabten Bademantel, ein B-Schauspieler, der unterm Einsatz in der zweiten Reihe leidet, als stücktragende
Hauptfiguren. Fischer schlüpft zudem in Rolle und Kostüm eines coolen Pizzaboten, einer quicken Dame von der leichteren Sorte und - mächtig ausgestopft - in die Seele der Mannheimer Jazzröhre Joy Flemming.
Callenbach stöckelt als (männer)scharfe Leipziger Politesse und als arrogante Pensionsbesitzerin über die Bühne oder rüpelt als versoffener finnischer Rocker an der Rezeption.
Acht schrille Typen auf der Minibühne, das sorgt allein für szenische Turbulenzen, die Regisseur Peter Wilczynski händeln muss. Keine leichte Aufgabe ohne Hinterbühne und mit Abgängen zum Kostümwechsel,
die neben dem Frosch-Tresen ins Büro oder durch den Zuschauerraum führen. Wilczynski steuert das flüssig aus, nur ein-, zweimal muss er aufs akustische Off-Gespräch oder Musikeinspiel zur Überbrückung
zurückgreifen. Der szenische Ulk ist von der handfesteren Sorte, hin und wieder wird mit Frosch-internen Anspielungen operiert, beim Gesang wird parodiert oder brillant gecovert. Callenbach etwa vertraut bei
Elvis' "Bist du einsam heut' Nacht" ganz auf die inzwischen erheiternde Wirkung der Edel-Schnulze, Fischer bei Sinéad O'Connors "Nothing Compares 2U" auf mimische Subversion ... Komische Wirkung bei beiden
Varianten.
Keine ganz runde Sache trotzdem, oft ein Sprunglauf durch Situationskomik, obwohl das Duo mit routiniertem und variablem Spiel und Gesang den Knackpunkt der Inszenierung kaschiert: Verläuft die Story
anfangs noch straff und punktet mit Serien komödiantischen Schlagabtauschs des ungleichen Paars, so löst sie sich bald allmählich in Luft auf. Und das Happy End, nach dem der schwäbischen Jungfrau der neue
Status einer Frau Wirtin droht, fällt dem Zuschauer ziemlich unvermittelt auf die Füße. Szenisches als Alibi für den angepeilten nächsten Hit, aber auch im musikalischen Schwank sollten die Figuren einer
Handlungslogik folgen. Korrektur möglich, bei der Kreativität des Darsteller- und Inszenierungsquartetts keine Hürde.
Schon jetzt viel Beifall vom amüsierten Publikum zur Premiere.Bernd Locker
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