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Noch mal mit Gefühl
Bert Callenbach mit Olga Nowikow (Piano) und Jan Grepling (Sax)
Was machen eine Frau, die Ihren Wagen falsch eingeparkt hat, ein Pärchen, das vor den Trümmern einer langjährigen Beziehung steht, ein
Zahnarzt, der auf den Nerv gebohrt hat und zwei Teenis nach ersten holprigen Sexversuchen? - Sie machen es noch einmal mit Gefühl! Gerade heute, mit einer Frau an der
Regierungsspitze und dem unaufhörlichen Vormarsch des Matriarchats, ist es wieder im Kommen: die Zeit der großen Gefühle. Gefühle sind schick, sie sind en vouge, man(n) zeigt
sie wieder! Bert Callenbach, Jan Grepling und Olga Nowikow spielen nicht nur gekonnt auf der Klaviatur der Emotionen, sie sorgen auch für Durchblick, Humor und die
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© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 5 Mai 2006
Komik siegt beim gefühlvollen Liederabend
Endlich versinkt die Sonne im Häusermeer. Kerzenlicht rötet die Gesichter. Im Großstadtdschungel flirrt und glüht es gefühlig. Zwar sinkt die Dunkelheit zur
Liederabend-Premiere „Noch mal mit Gefühl“ erst nach der Pause, doch das Publikum kann sich am Mittwoch im Frosch Café von Anfang an gut einfühlen in die Emotionen aller von der Liebe Gezeichneten. Und dankt
begeistert.
Bert Callenbach erleichtert den Einstieg als einsamer Trinker an verlassener Bar. Der Tresen ist mit großblättrigem Urwald tapeziert und verbirgt an der Rückwand ein
Klavier – mehr als diesen Dreh braucht das Bühnenbild (ebenfalls Callenbach) nicht, denn zwischen Tränke und
Unterholz finden die Protagonisten alles, was sie brauchen. Der Entertainer hat sich musikalische Partner an die
Seite geholt: Conny Rösler sitzt als kurzberockte Zofe am Piano, Jan Grepling spielt Saxophon, Klarinette, Querflöte und den schüchternen Buben. Beide verblüffen zudem mit originellen Arrangements der 23 Lieder. In
kleinen Spielsituationen beweist auch Regisseur Björn Bugiel Gespür und Humor, lässt die drei gegensätzlichen
Charaktere unaufdringlich Pointen streuen. Kommt im zweiten Teil noch die Spannung ins Rutschen, liegt das an unentschiedenen Episödchen, denen ein Lifting zu mehr Halt verhelfen kann.
Die erste Hälfte dagegen ist konsequent auf Situationswitz und Gesang konzentriert. Der Beau zähmt seinen
Charme, die Dame kann es sich leisten, das hässliche Entlein zu geben, der Scheue putzt seine Instrumente, wenn er
nicht gerade hingebungsvoll spielt. Auf den leicht zu bestellenden Themenfeldern Einsamkeit, Erinnerung, Liebe, Sehnsucht pflückt das Trio einen „Strauß bunter Melodien“. Mal vom Callenbach’schen Augenbrauenheber
verziert, mal von Conny Röslers gekonnter Verweigerung gebrochen, schwingt die Auswahl zwischen zugespitzten Bösartigkeiten der Kreisler-Erben Sebastian Krämer oder Bodo Wartke und dem klassischen Abendsegen aus
Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Zwar erhebt Callenbach nicht unbedingt eine Opernstimme, dafür sieht er umwerfend aus.
Ein Anzug mit deutlichen Streifen in alle Richtungen, weicht später raumgreifenden Rüschenärmeln. Für den
“Opernbesuch“ (diesmal einzige Frauenrolle) steht ihm eine Seidenverschalung ganz ausgezeichnet. Derlei Dekoration gibt zwar kaum Tarnung im Beziehungsdschungel, doch es geht auch gar nicht um „sentimentalen
Scheiß“, sondern ums Überleben im Griff der Hormone, der verzwickten Verwandtschaft, des Übergewichts – im
gänzlich unromantischen Alltag eben. So bleiben Gefühle des Leidens und der Aggression nicht aus, um nur zwei
Bausteine der Liebe zu nennen. Aus diesen hübschen Wechselwirkungen steigt die Komik leichtfüßig zur Siegerin des Abends auf. Ein schönes Gefühl. Janina Fleischer
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