Fischer und Callenbach...  Nur die Liebe zählt!

   Bert Callenbach und
Carolin Fischer

„Meine letzte Nacht als Fräulein“ war gestern... Doch wie rosig sieht die Zukunft aus? Frl. Fischer kämpft mit Herzblut und vollem Stimmeinsatz um den Erhalt ihres kleinen aber feinen Privattheaters. Da heißt es sich gegen das übermächtige Fernsehen durchzusetzen. Und das bedeutet auch für Herrn Callenbach: Raus aus dem Schlafanzug und rauf auf die Bühne!

Denn mal „Unter Uns“, es gibt „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Aber führen die „Wege ins Glück“ zur Gründung einer „Schrecklich netten Familie“ inklusive „Traumhochzeit“ oder enden die „Zwei bei Kallwass“? Sehen sie selbst!                Zurück

Varieté Online vom 24.10.2008 von Anja Busse
„Nur die Liebe zählt“ – Gelungene Premiere im Leipziger Frosch Café & Theater

TV-Psychologin Angelika Kallwass hat einen mordsmäßigen Streit zu schlichten. Kein Wunder, denn Entertainer Bert Callenbach hat sich an der Haustür von einem windigen Geschäftemacher einen angeblich fliegenden Teppich aufschwatzen lassen und dafür die gesamten Ersparnisse von Fräulein Fischer ausgegeben, der Betreiberin der Künstlerpension, in der er als Dauergast logiert. Logisch, dass die Pensionswirtin ausrastet und sogar mit Mord droht. Um die Kasse wieder aufzufüllen, vermietet Callenbach die Künstlerpension „Zur Schwäbischen Jungfrau“ ausgerechnet an eine Fernsehproduktionsgesellschaft und damit nimmt die Katastrophe erst so richtig ihren Lauf. Vor den Augen des staunenden Publikums liefern sich der Entertainer und das Fräulein eine vergnügliche Hetzjagd durch sämtliche Formate der deutschen Fernsehlandschaft. Die Künstlerpension wird zum Drehort für Sendungen wie „Versteckte Kamera“, „Kripo Live“ oder „Quiztaxi“ und damit zur Spielwiese, auf der Fischer & Callenbach ihre herrlich überspitzen Interpretationen deutscher TV-Un-Kultur ausleben können.

Die beiden Alleskönner schlüpfen dabei in einem Affenzahn in immer neue Rollen und Kostüme, dass es einem förmlich vor den Augen flimmert. Man fragt sich, wie die beiden Akteure gefühlte tausend Umzüge in einem zweistündigen Programm überhaupt meistern. Das könnte aber auch an der riesigen Videoleinwand liegen, auf der vorproduzierte Clips und Trailer laufen, in denen die beiden Haupt- und gleichzeitig Nebendarsteller des Abends ebenfalls ihre erstaunliche Wandlungsfähigkeit und ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen.

Pointiert werden Game- und Livestyleshows auf’s Korn genommen und natürlich musikalisch untermalt. Das geschieht ausschließlich mit Musicalmelodien, die leider im ersten Teil des Abends das Tempo der sonst so rasanten Show immer wieder etwas drosseln. In Deutschlands erstem TV-Persiflage-Musical geben sich die Fernsehpromis in der Pension „Zur schwäbischen Jungfrau“ singender und moderierender Weise die Klinke in die Hand: Tine Wittler richtet die Pension neu ein, während sich Bruce Darnell ums äußere Erscheinungsbild der Pensionswirtin kümmert. Joy Fleming und Harald Glöcker liefern sich im Homeshopping-Kanal ein unglaubliches Wortgefecht und Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Holt entbrennen in wilder Leidenschaft zueinander.

Das gesungene Zapping durch die deutschen TV-Kanäle, von Regisseur Björn Bugiel mit viel Liebe zum Detail inszeniert, wird von Carolin Fischer und Bert Callenbach mit unbändiger Spielfreude von Leben erfüllt.

Höhepunkt der Show ist die gemeinsame Teilnahme der Pensionswirtin und des Entertainers an einem Musicalstar-Talentwettbewerb mit einem Medley der schönsten ABBA-Songs. Allerdings werden auch diese Songs – wie alle Musical-Titel der Show – in der offiziellen deutschen Übersetzung vorgetragen. Diese ist so grauenhaft und unfreiwillig komisch, dass sich das Publikum vor Lachen kaum auf den Sitzen halten kann. Ob am Ende wirklich „Nur die Liebe zählt“ und es eine große Versöhnung gibt? Einfach mal den Fernseher auslassen und ins Frosch Café und Theater gehen, dann erfahren Sie es.                            

LVZ 25.10.2008   von Bert Hähne
Foto: LVZ W. Zeyer
Sex sells, die Liebe zählt
Amüsanter Programm-Neuling von Fischer und Callenbach

Carolin Fischer und Bert Callenbach haben es geschafft. Sie sind im Fernsehen. Er wollte das, sie nicht. „Nur die Liebe zählt“ heißt das Format, das seit Donnerstagabend im Frosch Café ausgestrahlt wird. Die Premiere war um einen Monat verschoben worden, wurde dafür aber umso fröhlicher gefeiert.
In der Fortsetzung des Programms „Meine letzte Nacht als Fräulein“ treffen Fischer und Callenbach erneut in der „Pension zur schwäbischen Jungfrau“ aufeinander. Er ist der Untergebene, sie die Chefin. Er will hoch hinaus, sie nur, dass es läuft. Und beide wechseln Rollen, Kostüme und Perücken in hohem Tempo. All das wirkt nie hektisch, sondern abwechslungsreich und locker.
Erstmal zieht Carolin Fischer im Nichtraucherlokal eine durch. Sie ist vom Fernsehen und tut entsprechend wichtig. Vermeintliche Fachbegriffe schwirren durch den Raum. Der verballhornte Spruch „The early catch wurms the bird“ setzt der Einstiegsszene die Mütze auf. Callenbach – er heißt bewährtermaßen auch im Stück so – renoviert die Pension und vermietet sie der TV-Tante als Location. Und während der Rezeptionist und Heimwerker über schlumpfblaue oder strumpfgraue Wände nachdenkt, rauscht Tine Wittler von „Wohnen nach Wunsch“ durch die Tür und wirft alles um, denn „Der wichtigste Teil der Einrichtung ist die Deko!“
Model-Lauftrainer Bruce Darnell ergänzt später sinngemäß: „Der wichtigste Teil der Frau ist die Handtasche!“ Doch nicht nur die privaten Sender werden parodiert und persifliert, auch der MDR bekommt sein Fett weg. „Kripo live“, um bei hübschen Sprüchen zu bleiben, gibt den wertvollen Hinweis: „Haustürgeschäfte schließt man doch nicht an der Haustür ab!“ Kurz darauf ist Florian Silbereisen statt 1,60 Meter plötzlich 1,90 groß, weil von Bert Callenbach dargestellt. Und was sagt der volkstümliche Quotenbringer zum Fräulein Fischer? „Mein Name ist Bauer, ich such’ eine Frau.“
Da ist die Schwäbin hin und weg. Später aber zeigt die Darstellerin, dass sie ihr Gesicht wahrhaftig zur Faust ballen kann. Überhaupt demonstrieren Fischer und Callenbach, ihr Können, agieren komisch und amüsant, überzeugen wieder einmal auch musikalisch. Sie singen Musical-Hits – und vor allem Abba auf Deutsch. Ein wahnwitziges Medley, das wie ein Finale wirkt. Doch das Ende kommt anders, mit Sex auf allen Kanälen und Liebe von unerwarteter Seite. Das ist wunderbares Wohnzimmertheater mit einem Novum: vielen aufwändigen und gelungenen Fernseh-Sequenzen.