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Dicke Drin Ein Abspeckprogramm
von und mit: Linda Behrens Lars Johansen Ernst-Ulrich Kreschel Knut Müller-Ehrecke
Deutschland ist gewichtig, sogar übergewichtig. Die Kinder sind dick, die Eltern sind dick und sogar die Politik wird immer gewichtiger. Alle sind dicke drin. Darum wird
jetzt ein schlanker Staat gefordert. Jeder Betrieb, der auf sich hält verschlankt die Produktion, und jede Frau mit Niveau leidet doch heute
unter Bulimie. Alles nimmt ab. Außer der Armut und der Arbeitslosigkeit. Die verlieren einfach nicht an Gewicht.
Und darum haben die KUGELBLITZE ein Abspeckprogramm aufgelegt, bei dem auch Sie Ihr Idealgewicht erreichen können. Fett war gestern, das kalorienarme Kabarett Light hilft auch Ihnen bei der
Bekämpfung von pointenfreien Problemzonen.
Die KUGELBLITZE helfen aber auch Eva Herman und Guido Knopp, Eisbären und Alkoholikern. Und zwischen Online-Durchsuchungen und Offlineproblemen wird natürlich endgültig geklärt, warum die
Chinesen an allem schuld sind. Oder doch die Schweden? Egal, irgendwer wird es schon sein.
Andere über die Kugelblitze:
In einem von Ernst Ulrich Kreschel wunderbar witzig und frisch komponierten Auftrittslied wird
die Ein-Euro-Job-Misere zum Ausgangspunkt für einen kabarettistischen Streifzug (...) Wunderbare und höchst amüsante Kabarettnummern (...) Linda Behrens bewies nicht nur ihr inzwischen
erstaunlich perfektioniertes Können, sondern auch satirische Ausstrahlung und Schärfe (...) Lars Johansen hat einen sehr scharfen Text geschrieben und mit der Musik von Ernst-Ulrich Kreschel
wurde das zur bitterbösen Satire (...) Absoluter Höhepunkt des Programms war der „Lebenslauf“ einer 1989 geschlachteten altersmüden Kuh, die heute als Gammelfleischdöner die
Wiederauferstehung feiert. Das wurde von allen vier Kugelblitzen als feierlicher A-capella-Gesang dargeboten, und, alle Achtung, es erklang wirklich Gesang! Knut Müller Ehrecke hat Regie
geführt, und auch die ist hervorragend gelungen, temporeich, kurzweilig und gut organisiert. „Irgendwas mit Politik ist ... ein sehr sehenswertes, ein satirisches und amüsantes Kabarettprogramm.
(Volksstimme Magdeburg, 12.10.2006)
Die „Kugelblitze“ haben das Publikum fest im Griff, teilen frech und respektlos aus und scheuen
selbst vor scheinbaren Tabubrüchen nicht zurück. “Irgendwas mit Politik“ ist irgendwie ganz gut gelungen.
(Wirtschaftsspiegel 11/06)
Wer sich von den Kugelblitzen ein intelligentes, witziges Kabarett verspricht, dem sei gesagt: Sie
sind in der kleinen Kneipe nahe des Uni-Platzes genau richtig. Die vier Kugelblitze sprechen dabei aus, was uns an Politik, Wirtschaft und Bildung so richtig nervt. So wird eine aktuelle
Familienministerin "die ununterbrochen Junge wirft" genauso durch den Kakao gezogen, wie der niemals zu bekehrende Raucher, der sich plötzlich krassen Gesetzen zum Schutze eines
nicht-rauchenden, wenn auch von Gammelfleisch durchwirkten Deutschland konfrontiert sieht.
(kulturmd.de, 27.11.06)
LVZ 23.01.2008 Manchmal zu fett
Kugelblitze aus Magdeburg liefern amüsantes kabarettistisches Abspeckprogramm
Deutschland hat ein Problem, ein gewaltiges. Alle sind zu fett, es geht um verschwitzte Kompromisse,
Mobbeling allerorts und politische Schwergewichte ohne echte Substanz. Zeit für die Magdeburger Kugelblitze, ganz Deutschland und ihrem Publikum im Frosch Café eine Entschlackungskur zu verordnen.
Sie sind dicke drin, in der eigenen Hose und in den Problemen des eigenen Landes. In diesem vertickt die Polizei an der Haustür kostenlose Internet-Flatrates, um den speckigen Bürger gläserner zu machen.
Und es wimmelt von Problembären: Da gibt’s den Stoibär, den Arabär und auch Knut und Lars. Vor der
Knut-Ära war Lars, der kleine Eisbär, der Liebling, jetzt ist er arbeitslos. Doch Knut ergeht es ähnlich.
Auf dem Arbeitsamt will er eine Umschulung, bekommt aber keine, ihm bleibt nur ein letzter Hilfeschrei: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“ Knut (Müller-Ehrecke) und Lars (Johansen) packen zwar viel
Wortwitz in ihre Eisbären, müssen allerdings aufpassen, nicht darin zu versinken: „Bär-bel will nicht mit mir gehen“.
Damit doch noch was geht, bedarf es der Sachsen-Sumpf-GmbH, die in Sachen Korruption selbst die Italo- und Russenmafia wie Waisenknaben aussehen lässt. Mafioso Linda Behrens spricht aus, was alle
denken: „Wir leben in der Generation Kühltruhe“, sind innerlich abgehärtet durch den speckigen Panzer von außen – da haben Talk-Shows wie „Braun am Abend“ mit Eva-Maria Beckmann-Kerner-Pilawa
Hochkonjunktur. Dort erinnert Eva Herman an den Juli 1944 („Und es war Sommer“), Hitler entschuldigt sich bei Stauffenberg („Der hätt doch mal mit mir reden können“), Guido Knopp und Marianne liefern
volkstümliche Vergangenheitsbewältigung. Soweit die scharfe TV-Satire, allerdings nicht ohne Gesangseinlagen, die geschmacklich deutlich daneben gehen: „Das Leben ist schon ungerecht, Ulrich
Mühe ist tot und die Ferres nicht“. Der Planet ist überhitzt, weil die Dicken so viel schwitzen, aber ist ja sowieso alles Vattenfall, und nach
Helau folgt der Supergau – Sprachwitz gehört zu den Stärken der Kugelblitze, die sich sonst eher in seichteren Gewässern bewegen. Mit „Dicke drin“ haben Linda Behrens, Lars Johanson, Knut
Müller-Ehrecke und Piano-Mann Ernst-Ulrich Kreschel insgesamt ein ordentliches Abspeckprogramm hingelegt, auch wenn manche Pointen unterirdischen Flachgang hatten. Von der Soko Fett bis zu Hitler ist
es ein weiter Weg. Auch war man sich für Plattitüden à la „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ und „Izmir-Übel beim Gammeldöner“ nicht zu schade. Dennoch boten die Kugelblitze einen amüsanten, mit
Fettpölsterchen abgefederten Hieb auf den postmodernen Kapitalismus, mit einfallsreichen Musik-Einlagen. Bei ihrem Publikum waren sie in der Tat „dicke drin“. Annika Ross
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