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Irgendwas mit Politik Ein Kabarettprogramm für Fanatiker
Mit: Linda Behrens Lars Johansen Ernst-Ulrich Kreschel Knut Müller-Ehrecke
Text:
Lars Johansen (mit Unterstützung von Linda Behrens und Axel Schröder)
Musik: Ernst-Ulrich Kreschel Regie: Knut Müller-Ehrecke
Deutschland im Ein-Euro-Wahn, die große Koalition des Grauens hat alles fest im Griff. Eine kinderlose
Kanzlerin und eine Familienministerin, die ununterbrochen Junge wirft, beweisen uns durch ihre unerträgliche
Präsenz immer wieder, dass Frauen doch nicht besser als Männer sind. Besteht vielleicht auch unsere
Regierung mittlerweile komplett aus Ein-Eurokräften? Und sind sie diesen einen Euro überhaupt wert? Gibt es
überhaupt noch eine Opposition? Und wenn ja, wozu? Es sind sich doch alle einig: Wir müssen sparen. Nur
nicht bei der Sicherheit. Ohne polizeiliches Führungszeugnis kommst du doch heute nicht mal mehr in die Nähe
eines Stadions. Darum hat sich auch Magdeburg ein sehr teures geleistet. Um zu kontrollieren. Denn wir erwarten endlich die moslemischen Fanatiker. Zur Not nehmen wir auch wieder Ein-Eurokräfte.
Da esse ich doch erst mal einen multikulturellen Döner. Früher hatte der freundliche Türke von gegenüber nur
eine Fototapete aus Antalya, heute heißt das Migrationshintergrund. Aber früher haben 11-jährige auch noch
Harry Potter gelesen. Heute sehen sie sich selbstproduzierte Gewaltpornographie auf dem Kamerahandy an, das sie einem 4-jährigen geklaut haben.
Deutschland im Wahn, und wenn die Ärzte nicht mehr streiken, dann werden wir vielleicht sogar alle geheilt.
Wenn wir uns die Zuzahlung leisten können, denn Sie wissen ja, die Kassen sind leer. Aber zur Not gehen wir eben zur Ein-Euro-Wunderheilerin Ulla Schmidt. Und dann ist alles Voodoo.
LVZ am 20.02.2007 Böse, böse, böse „Ihr führt euch auf wie Parkuhren“, schimpft der Chef über seine drei Mitarbeiter. Jede (gefühlte) Stunde
halten sie ihm ihre Sparschweine hin. Willkommen zur sonntäglichen 1-Euro-Show „Irgendwas mit Politik“ der
Magdeburger Kugelblitze im Frosch Café. Warum soll es Kulturschaffenden auch besser gehen als dem Rest
der Bundesbürger? Das sollen die Gäste, die teuren Eintritt gezahlt haben, eigentlich nicht mitkriegen. Doch für
einen mickrigen Euro lässt man sich vom Chef halt ungern was vorschreiben. Und so hat Lars Johansen ganz schön zu tun, seine Mitstreiter im Zaum zu halten. Sehr zum Vergnügen der Zuschauer.
Einig sind sich die vier Kugelblitze in ihrer Verachtung für die Politiker, die den ganzen Mist verzapfen, und
liefern Weisheiten à la „Milch und Honig werden nicht fließen, aber gesundes Brot mit Aufstrich wird immer
da sein.“ Das steht so nicht in der Bibel, belehrt Knut Müller-Ehrecke, der auch Regie geführt hat, seine Leidensgenossen, sondern im „1. Buch Münte“, sozusagen „der Apokalypse der SPD“.
Der Rundumschlag durch die Höhen und Tiefen der Bundespolitik hat Witz und Tempo. Neben Wolfgang Tiefensee (Tunnel! Busbegleiter!) bekommt besonders die gebärfreudige Familienministerin von der Leyen
den Zorn der Kugelblitze zu spüren. Die Kanzlerin kommt dagegen als St. Angela der großkoalitionären Glaubensgemeinschaft erstaunlich heil weg.
Der Zuschauer erfährt, dass ein deutscher Kabarettist immer was zum Thema Nazis machen muss. „Ja, Nazis sind böööse!“ warnt also Linda Behrens. Was nicht von einem wirklich bösen Schlager über ein außer
Kontrolle geratenes Dorffest abhält: „Geh’n wir Bücherverbrenn’ in Prentzien“. Am Ende besänftigt Kabarett-Chef Lars seine Untergebenen in einer dialektischen Wendung mit der Vision
einer paradiesischen Gesellschaft ohne Arbeit. „Das ist ja wie im Sozialismus“, freut sich Knut – und verzichtet glatt auf den nächsten Euro. Frank Schubert
Andere über die Kugelblitze:
In einem von Ernst Ulrich Kreschel wunderbar witzig und frisch komponierten Auftrittslied wird die
Ein-Euro-Job-Misere zum Ausgangspunkt für einen kabarettistischen Streifzug (...) Wunderbare und höchst amüsante Kabarettnummern (...) Linda Behrens bewies nicht nur ihr inzwischen erstaunlich
perfektioniertes Können, sondern auch satirische Ausstrahlung und Schärfe (...) Lars Johansen hat einen sehr scharfen Text geschrieben und mit der Musik von Ernst-Ulrich Kreschel wurde das zur
bitterbösen Satire (...) Absoluter Höhepunkt des Programms war der „Lebenslauf“ einer 1989 geschlachteten altersmüden Kuh, die heute als Gammelfleischdöner die Wiederauferstehung feiert.
Das wurde von allen vier Kugelblitzen als feierlicher A-capella-Gesang dargeboten, und, alle Achtung, es erklang wirklich Gesang! Knut Müller Ehrecke hat Regie geführt, und auch die ist hervorragend
gelungen, temporeich, kurzweilig und gut organisiert. „Irgendwas mit Politik ist ... ein sehr sehenswertes, ein satirisches und amüsantes Kabarettprogramm.
(Volksstimme Magdeburg, 12.10.2006)
Die „Kugelblitze“ haben das Publikum fest im Griff, teilen frech und respektlos aus und scheuen selbst
vor scheinbaren Tabubrüchen nicht zurück. “Irgendwas mit Politik“ ist irgendwie ganz gut gelungen.
(Wirtschaftsspiegel 11/06)
Wer sich von den Kugelblitzen ein intelligentes, witziges Kabarett verspricht, dem sei gesagt: Sie sind
in der kleinen Kneipe nahe des Uni-Platzes genau richtig. Die vier Kugelblitze sprechen dabei aus, was
uns an Politik, Wirtschaft und Bildung so richtig nervt. So wird eine aktuelle Familienministerin "die ununterbrochen Junge wirft" genauso durch den Kakao gezogen, wie der niemals zu bekehrende
Raucher, der sich plötzlich krassen Gesetzen zum Schutze eines nicht-rauchenden, wenn auch von Gammelfleisch durchwirkten Deutschland konfrontiert sieht.
(kulturmd.de, 27.11.06)
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