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Stink Normal - von Duftig bis Deftig

Musikkabarett mit Clemens - Peter Wachenschwanz

WachenschwanzEine goldene Nase - - - die kann man sich mit Kabarett nicht verdienen, und das ist gut so. Denn damit riecht man nicht mehr, wenn's uns stinkt. Wer sich auf seine Nase nicht mehr verlassen kann, braucht dringend einen Hund. Wer keinen Hund hat, hat immerhin noch Wachenschwanz. Denn der hat ein feines Näschen fürs präzis Diffuse. Seine Spürnase erschnüffelt den Angstschweiß im Duft der großen weiten Welt. Egal, wie tief man gefallen ist, Nasenbär Wachenschwanz weiß Rat und rät:  stink normal! Wie das alles aus weißen Tasten und seiner schwarzen Kehle kommt, da bleibt einem glatt die Luft weg. Wenn ihr's nicht riecht, ihr werdet's nie erfahren!"

LVZ am 24.09.2009
Perlen vor die Saubande
Deftig und ehrlich wie immer: Wachenschwanz mit neuem Programm im Frosch Café

Er betritt die Szene und füllt augenblicklich mit seiner körperlichen und stimmlichen Präsenz die Bühne, nein, den ganzen Raum: Clemens-Peter Wachenschwanz hat am Dienstag das Publikum im Frosch Café mit seinem neuen Programm „Stink normal“ be-glückt.
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Klartext bevorzugt: Kabarettist Clemens-Peter Wachenschwanz
redet nicht gern um den Brei herum. Foto: Wolfgang Zeyen

reifend wirkt er, dass selbst das lapidar dahin Gebrabbelte ins Mark dringt und es wohlig massiert. Wohlig nicht nur wegen des satten, tiefen Timbres, sondern auch, weil die südthüringische Redeweise, für die er berüchtigt ist, heimelig heimattümelnd klingt, was sich reizvoll absetzt von der sprachlich geglätteten Beliebigkeit der globalisierten Moderne. Wohlgemerkt, wir haben es nicht mit einem Mundart-Künstler zu tun, sondern mit einem Mann von Welt, der seine nicht unwichtigen Beobachtungen über eben diese anstellt. „A simpler Typ“, der weiß, wann ihm was stinkt. Ob Fisch, Socken oder Schweiß – in deftigen Worten und Gesängen geht’s die Klaviatur der Gerüche rauf und runter.
Apropos: Das Klavier ist wie immer Wachenschwanz’ unentbehrliches Instrument, virtuos und temperamentvoll spielt er darauf zu seinen Liedern („Keine Angst, es wird kein Reggae!“), und es ist würdige Begleitung zum Stimmvolumen, das für Blues, Boogie, Polka und zarten Chanson gleichermaßen eindrucksvoll und ohne zu kränkeln herhält. Erst mal bis zur wohlverdienten Pause („Es würde mich anstinken, wenn ihr jetzt geht!“).
Zur Sprache kommt dann neben naturgemäß ekligen Dingen natürlich auch menschlich Anrüchiges. Da wird zum Beispiel fein- und grobsinnig darüber nachgesonnen, wie sich das mit den Stinknormalen und den Normalos, den „Fertigteilen“ so verhält. Klar, wem seine Sympathie gehört. Es fallen Worte wie „Vollarsch“ und dergleichen, und die nimmt man dem Vollblüter wohl ab. Dagegen rührt sich bei „geil“ und „cool“ ein leiser Widerstand gegen die allzu willige Anbiederung eines nicht mehr ganz jugendlichen Herrn an die Mode. Das hat er nicht nötig, aber wie meint er doch selbst: „Ob es euch gefällt, ist mir scheißegal!“
Und da wäre noch die raffinierte Kunst des Lapsus, die Wachen-schwanz mit Liebe pflegt: Er verheddert sich an einer Textstelle, die leicht pikant ist, und schiebt es auf sein „gewachsenes frauenfreundliches Bewusstsein“, worauf alles schallend lacht. („Jetzt ist die Saubande endlich auf dem Höhepunkt!“). Wieviel von diesen Pannen und Pännchen aus der Situation erwachsen, geplant oder fingiert sind, wer will das je ergründen?! Das ist ja das Geniale.
Eine Zugabe gibt es und noch eine („Wenn mir einer dazwischen-quatscht, werd’ ich zur Sau!“), dann verlässt der Künstler unter großem wohlverdienten Applaus die Bühne.                 Juliane Lochner