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Flühlingskonzert
Von Flühlingslolle bis Flühlingsgefühle
Ming Cheng und
Conny Schäfer am Piano
“Das Chanson- und Schlagerwunder aus China” (LVZ) präsentiert im Frosch sein 2. Chansonprogramm. Diesmal wird Ming sein
komisches Talent im Programm zeigen. Klischees über Chinesen und Deutsche und über Männer und Frauen werden bedient, "Drii Chinisin mit dim Kintribiss" wird gesungen, Milva und Roland
Kaiser werden zum ersten Mal von ihm interpretiert und das Flühlingsgefühl und der ewige Streit zwischen Männern und Frauen gekonnt auf´s Korn genommen. Freuen Sie sich auf
anspruchsvolle Musik mit Ming Chengs einmaligen Interpretationen und humorvollen oder gar frivolen - frechen Einlagen. Alles ist dabei. Der Flühling wird chinsisch und immer schön Flühlingslolle
essen, wenn Sie Flühlingsgefühle bekommen wollen....
LVZ am 02.03.2009
Ein Chinese ohne Kontrabass
Auch wenn Ming Cheng im „Flühlingskonzert“ mitunter zu sehr kalauert: Der 26-Jährige hat das Zeug zum großen Chansonier
Dandyhaft lehnt Ming Cheng sich ans Klavier. Schwarzer Smoking, dunkelrotes Einstecktuch, ein silbern schillerndes
Mikrophon. Noch eine Zigarettenspitze – und er würde die Atmosphäre der 20er perfekt treffen. Aber der
sympathische Chinese feierte die Premiere seines „Flühlingskonzerts“ am Freitag im Frosch-Café, und dort wird nicht geraucht.
Mit ein paar leichten Frühlingsliedern beginnt der Tenor sein Programm, in dem er vor allem deutsche Lieder des
vergangenen Jahrhunderts zum Besten gibt; doch auch die Operette und Verdis „Rigoletto“ kommen vor. Ming Cheng
ist auf Leipzigs Bühnen noch kein so alter Hase, trotzdem hat er sich bereits eine beachtliche Fangemeinde ersungen.
Dass es inhaltlich schon bald nicht mehr um den Frühling an sich, sondern um Liebe in allen Schattierungen geht, stört das Publikum nicht. V on Hildegard Knef über die Comedian Harmonists schreitet Ming Cheng weiter zu den „Sieben
Brücken“ von Karat. Dabei tastet er sich besonders an ernsteren Stücken einfühlsam entlang und artikuliert sehr deutlich. Auch als Countertenor muss er die Töne nicht suchen, sie sind einfach da. Der
Pianistin Conny Schäfer dagegen ist die streckenweise Überforderung und Anspannung etwas zu deutlich anzumerken. Mit dem „Flühlingskonzert“ will Ming Cheng Neues wagen und sich
kabarettistisch versuchen. Manche der Gags, die er zwischen den Liedern präsentiert, funktionieren auch ganz gut – „Ja, das ist herrlich!“,
jauchzt es im Publikum. Gelegentlich aber kalauert der Künstler vor sich hin, dass die Zuschauer nicht recht wissen, ob sie wohlwollend kichern
oder verlegen hüsteln sollen. Dabei könnte er sich entspannen und improvisieren, die Leipziger sind ihm eh wohlgesonnen. Und weil sie das sind, folgen sie sogar seiner Bitte, „Drei Chinesen mit
dem Kontrabass“ mitzusingen – verhalten auf „a“, zutraulich auf „au“, inbrünstig auf „ü“. Ming Cheng rührt die Zuschauer mit einem ergreifenden „Dein ist mein ganzes Herz“ von Franz Lehár und beweist,
dass Udo Lindenberg gar nicht so kauzig textet, wie er wirkt. Als Ming Cheng 2001 nach Leipzig kam, beherrschte er kein Wort Deutsch. Heute spricht er fließend – kein „l“ statt „r“, alles nur
Koketterie. Eigentlich studiert er Informatik und Sinologie an der Uni, doch sein Herz gehört den deutschen Liedern.
Die bilaterale Spielerei im „Flühlingskonzert“ setzt an einem schönen Punkt an, mit etwas mehr Mut hätte daraus
allerdings inhaltlich Größeres werden können. Sei’s drum: Ming Cheng hat das Zeug zum ersten großen
chinesisch-deutschen Chansonier. Und so wie ihn sein Publikum liebt, wird es ihn auf dem Weg nach oben sicher begleiten. Theresa Wiedemann |