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360 Grad
Panorama

Nachtschwestern

    Musiktheater mit
    Polina Bachmann und Isabelle Redfern
    am Piano:
    Burkhard Niggemeier
    Ein Stück von Fabian Gerhardt (Regie)
    Musik: Burkhard Niggemeier     Ausstattung: Cornelia Nier
    das Team von
    “Die Frau wird schöner mit jedem Glas Bier”

Isabelle Redfern u. Poline BachmannWem läuft nicht auch ein wohliges Schaudern über den Rücken, beim Gedanken an gute Pflege, Fieberthermometer und einer Schwester mit dem richtigen Blues? Bevor wir vom Frühdienst mit den zärtlichen Worten: “Aufstehen, Betten machen” geweckt werden, liegt eine heiße Nacht hinter uns und so manches Geheimnis konnte gelüftet werden....Nachtschicht zeigt uns alles – Liebe, Hass und Mordgedanken, radikale Krankenschwestern und einen unglaublich attraktiven Chefarzt. Was passiert also wirklich im Schwesternzimmer wenn die Tür zu ist? Reisen Sie mit Moni und Babs durch eine Nacht, an deren Ende nichts mehr so sein wird, wie es war.

Isabelle Redfern und Polina Bachmann spielen, singen und tanzen sich an den Rand des Wahnsinns – am Klavier begleitet von “Chefarzt Dr. Niggemeier”.

LVZ am 27.08.2007
Bitter-süße Unwahrheiten
Nachtschwestern feiern gelungene Premiere im Frosch Café

Egal, ob sie nun Schwestern sind oder nicht: Wenn zwei attraktive Schauspielerinnen wie Polina Bachmann (Schwester Moni) und Isabelle Redfern (Schwester Babs) in kurzen Krankenschwesterkleidern Chansons und ihnen wie auf den Leib geschneiderte Dialoge zu Gehör bringen, ist das ein Schmaus für Augen und Ohren. Fabian Gerhardts „Nachtschwestern“ schaffte es zur Premiere am Freitag im nicht ganz ausverkauften

Charmanter Dienst nach Vorschrift: Schwester Babs (Isabelle Redfern, links) und Schwester Moni (Polina Bachmann) beim Zappen. Foto: André Kempner

Frosch Café, mitunter kalte wie auch ernste Seiten des Krankenhausalltags Zwerchfell-kitzelnd auf die Bühne zu bringen.
„Es ist Nachtschicht, das kalte Licht scheint dir ins Gesicht“, singen Babs und Moni dem Publikum bitter-süß ins Gesicht, begleitet von Burkhard Niggemeier am Klavier, der als Pfleger Schicklgruber auch szenisch mitmischt. Babs steht kurz vor ihrem einjährigen Dienstjubiläum, wirkt abgeklärt und macht mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift auf Kosten der Patienten. Moni ist neu, glaubt an die Wahrheit im Leben und spielt den naiven Part im Schwesternzimmer.
Da passt es hervorragend, dass die Chemnitzerin Polina Bachmann in ihrem Heimatdialekt spricht. Isabelle Redfern komplettiert den Gegensatz der beiden Frauen mit ihrem selbstbewussten Münchner Dialekt vortrefflich. Einerseits traurig, dass das Publikum auf diese Stereotypen im wiedervereinigten Deutschland immer noch anspringt. So auch am Freitag im Frosch Café. Fakt ist, dass es funktioniert und unterhält. Frau Pietsch kann das Wasser schlecht halten, steht aber mit ihrem Problem buchstäblich im Regen, weil die Schwestern, wenn geklingelt wird, in bester Handymanier das Problem einfach wegdrücken. So ergeht es auch Alzheimerpatient Kunzelmann, der sich nicht mehr daran erinnern kann, dass seine Frau bereits tot ist. Und so wittert Schwester Babs die Chance, sich als verstorbene Gattin auszugeben, um an Kunzelmanns Erbe zu kommen. Derweil flirtet Schwester Moni mit Pfleger Schicklgruber, den sie für den Chefarzt hält.
Die Nachtschwestern sind durch und durch opportunistisch, mit Idealismus hat ihre Schicht nichts zu tun. Und so überrascht es kaum, dass sich Babs und Moni nicht als echte Krankenschwestern entpuppen, sondern eigentlich selbst Patientinnen sind. Genau gesagt: Die beiden Biester sind zur Sicherheitsverwahrung im Spital. Auf die Schliche kommt ihnen Pfleger Schicklgruber, der ebenso keiner ist, und von Babs kurzerhand mit WC-Reiniger-Injektion kaltgestellt wird.
Im Fall der Nachtschwestern begegnet man gut durchdachtem Musiktheater, das oberflächlichem Klamauk aus dem Weg geht und mittels ergreifender Chansons die Charaktere aus dem Ensemble löst und betont. Eine mit Fön über ein Kondom belüftete Melodica lässt Moni die Luft zum Singen, und so entsteht eine Slapstickversion von „Stille Nacht“. Das Publikum tobt. Eine gelungene Mischung aus Schauspiel, Musical, Chansons und Kabarett, die äußerst charmant überzeugt. Axel Grehl