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Männer und andere Irrtümer Szenen einer Ehekrise aus der Sicht der betrogenen Gattin! Diverse Lösungsvorschläge inbegriffen.
Marianne Katharina Thielmann
Kennen Sie Dämonen? Hoffentlich nur aus dem Film! Aber manche Ehefrau könnte ein Lied davon singen, oder eben ein Stück schreiben über den: „Dämon im Mann“. Auch
Midlifecrisis genannt. Das Lexikon erklärt dazu: Versuchungen in der Mitte des Lebens. Aber man darf es auch drastischer ausdrücken: das Jucken beim Mann, wenn die ersten
grauen Haare erscheinen. Für Ihn beginnt dann die Zeit in der er noch mal richtig aufdreht: mit rosaroter Brille auf der Nase versucht er seine attraktive jüngere Geliebte - seine Fee - und
die angenehmen, so lieb gewonnenen Gewohnheiten der Familie daheim unter einen Hut zu bringen. Die betrogene Ehefrau allerdings hat ihre eigenen Ansichten zu diesem Doppelleben.
Gespielt werden diese „Szenen einer Ehe“ im Alleingang von Marianne Thielmann. Wie sie mit diversen Situationen umgeht und dabei den Zuschauer an dem ganzen Spektakel in alle
Rollen schlüpfend teilnehmen lässt, ist nicht nur sehenswert, es begeistert nachhaltig und läßt noch tagelang schmunzeln!
Marianne Thielmann, geboren in Berlin, Studium an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch arbeitet seit 1983 am Südthüringischen Staatstheater Meiningen. Ob in Klassik,
Musical oder modernem Schauspiel - ihr Einsatz war in den letzten beiden Jahrzehnten sehr umfassend. Ihre liebsten Rollen der vergangenen Spielzeit waren: Maria Callas
(„Meisterklasse“), Hamlets Mutter Gertrud („Hamlet“) und die Valerie („Geschichten aus dem Wiener Wald“).
LVZ 20.08.2007 Humorvolle Abreibung Marianne Thielmann entlarvt „Männer und andere Irrtümer“ im Frosch Café
Wimmernd steht sie da, die Pistole an der Schläfe, ein Häufchen Elend im schlabbrigen Schlafanzug, bereit, allem
ein Ende zu setzen. Eine Frau, von Midlife Crisis und Doppelleben ihres Mannes so weit aus der Bahn geworfen,
dass sie statt eines echten Revolvers aus Versehen die Wasserpistole des Sohnes gegriffen hat. „Ich bring mich
doch nicht wegen einem Kerl um – schon gar nicht wegen meinem“, lautet ihr Urteil nach kurzer Besinnung.
Gut so. Denn so kann die Geplagte dem Publikum im Frosch Café von ihrem Leid als betrogene Ehefrau klagen.
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Entdeckt unliebsame Wahrheiten: Marianne Thielmann fällt
als betrogene Ehefrau aus allen Wolken. Foto: André Kempner
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Im Ein-Personen-Stück „Männer und andere Irrtümer“ werden Klischees einer kaputten Ehe pointenreich aneinander gereiht: Im verflixten siebten Jahr ist die Luft raus, die
Zeit der Blumen und Geschenke vorbei, die anfängliche Verliebtheit dem Alltags-Einerlei gewichen. Der in die Jahre gekommene Gatte sucht sich kurzerhand eine erheblich jüngere
Geliebte – ausgerechnet seine Sekretärin, wie sollte es auch anders sein. Die betrogene Gattin indes merkt erst einmal nichts, bedauert ihren Angetrauten sogar,
wenn der mal wieder bis spät in die Nacht arbeitet oder übers Wochenende zu Tagungen muss. Als sie sich aber eines Tages genüsslich mit Shampoo die Kopfhaut massiert und zwei
Beulen bemerkt, begreift sie, dass er ihr im wahrsten Sinne des Wortes Hörner aufgesetzt hat. Die Ehefrau stellt den Untreuen zur Rede,
und setzt ihn schließlich mit allerhand Geschrei vor die Tür. Es folgt eine tiefe Depression mit Fressattacken
(„Jetzt habe ich die Taille einer übergewichtigen Wespe“). Der Versuch, sich mittels Liebhaber wieder aufzuraffen, schlägt ebenso fehl wie der Neuanfang mit dem untreuen Gatten.
Gespielt werden diese „Szenen einer Ehe“ im Alleingang von Marianne Thielmann. In 90 Minuten schlüpft die
Schauspielerin in sämtliche Rollen – gibt die hysterische Gattin und den zu einer „Mischung aus Forrest Gump und
Rainman“ verkommenen Ehemann, die dümmlich-lispelnde Geliebte (die eindeutig mehr Busen als Hirn hat), den nach Papa fragenden Sohnemann, unkende Freunde und Nachbarn. Dabei kommen Männer dank etlicher
Seitenhiebe („Haare, die ihm auf dem Kopf verloren gehen, sprießen dafür in Ohren und Nase“) nicht gut weg.
Marianne Thielmann gelingt neben einer humorvollen Abreibung für das andere Geschlecht aber gleichzeitig eine
zuweilen tragikomisch anmutende Abrechnung mit der Ehe und dem selbstgemachten Gefühlsruin, bei dem der Fernseher im Schlafzimmer die Leidenschaft verdrängt hat.
Diese Komödie von Michele Bernier und Pascale Osterrieth sucht die Fehler nicht nur beim Mann, sondern hält auch den Frauen einen Spiegel vor – denn Irren ist eben doch nicht nur männlich.
Christine Gräfe |